Archiv für den Monat: Juni 2017

LPT Nachlese: Von Problemen und Lösungen

Beim letzten LPT habe ich viele Dinge gehört die mich ganz schön aufgeregt haben. Das habt ihr wahrscheinlich im Saal oder auch im Stream mitbekommen. Bei der Sache mit den Kassenprüfern hatte ich sogar so richtige Magenkrämpfe vor lauter Wut.
 
Es wurden Dinge gesagt über den LaVo. Dass er viele Fehler gemacht hat. Dinge falsch entschieden oder vieles auch gar nicht Entschieden hat. Dass er sich nicht um die wichtigen Dinge kümmert. Dass er nachlässig ist. Dass er Dinge nicht organisiert. Zum Beispiel die Aussprache beim LPT.
 
Da kann man sich ja trefflich drüber streiten. Es gibt sicherlich ganz viele Dinge die der LaVo tut oder nicht tut, die ich auch blöd finde oder die mir auf die Nerven gehen. Natürlich gibt es Menschen die mehr oder weniger geeignet sind für ein Vorstandsamt. Kann sicherlich nicht jeder. Das ist nicht verwerflich, denn jeder Mensch hat Stärken, Schwächen, Talente und Neigungen die sich von denen anderer unterscheiden. Zum Glück. Aber eigentlich können wir froh sein, dass überhaupt noch irgendwer diesen Knochenjob machen will. Die Kandidatenlisten bei der letzten Wahl waren ja nicht wirklich lang. Eigentlich haben wir ja inzwischen gar nicht mehr die Wahl sondern es ist entweder Kandidat 1 oder keiner. Und den wählt man dann halt, weil halt irgendwer gewählt werden muss und keiner auf Idee kommt, dass man Posten auch mal nicht besetzen muss. Anstatt da nen Kandidaten drauf zu setzen mit dem man in der letzten Amtszeit schon nicht zufrieden war könnte man ja auch einfach mal mit Nein stimmen und sehen, ob das einem etwaigen Gegenkandidaten genug Motivation gibt um sich als Alternative anzubieten. Auch zeigt die Erfahrung, dass es ganz schnell in Rück- und Austritt endet, wenn jemand lautstark verkündet, er könne es besser oder die Basis einem Vorstand einen „Denkzettel“ verpassen will. Ich erinnere da nur mal eine gewisse Schatzmeister-Wahl in NRW oder diese GenSek Sache im Bund. Grade in einer Zeit, in der Vorstände mehr Baustellen und weniger aktive Hilfe haben denn je mit einem Misstrauensvotum um die Ecke zu kommen, dem nicht mal konkrete und substanziierte Fakten zu Grunde liegen sondern ein gefühltes „Mimimi, ihr habt Dinge gemacht die mir oder meinen Kumpels nicht passen“ ist halt irgendwie völlig sinnfrei.
Immerhin war das einzig gute Gefühl, dass ich von diesem LPT mitgenommen habe, dass die Basis auch mal vernünftig und sinnvoll entscheiden kann. Danke dafür liebe Basis.
 
Als nun aber am LPT Sonntag diese ganzen alten Männer am Mikro standen und lautstark forderten, es müsse endlich Verantwortung übernommen werden, es müsse sich etwas ändern, es brauche einen Neuanfang, einen Cut, da wurde mal wieder mal das eigentliche Problem dieser Partei deutlich.
 
Ja, es darf kein weiter so geben. Es braucht ein Umdenken, einen Neuanfang. Aber nicht, in dem wir wieder als symbolischen Akt neue Lämmer zur Vorstandsschlachtbank führen, die so lange der Messias sind, bis sich irgend ein Meinungsführer wieder auf den Schlips getreten fühlt und dann lautstark die Kreuzigung fordert. Und während die neuen Hoffnungsträger vor unserer aller Augen im Hamsterrad verbrennen, lehnt man sich bequem zurück oder dreht eifrig an der Kurbel des Hamsterrads mit, weil es noch nicht schnell genug läuft.
Wer darin tatsächlich Lösung und Hoffnung sieht kann sich gerne mal bewusst machen, dass er Teil des Problems ist. 
 
Mir wurde letztens gesagt, ich sei kein Pirat, weil ich die Meinung vertrete, dass nicht jeder das Recht haben muss immer und überall mitgenommen zu werden, es sei denn er hat etwas Nützliches beizutragen. Das sei nicht die „piratige“ Definition von Basisdemokratie. Um die konkrete Definition von Basisdemokratie haben wir uns bisher immer herum gedrückt. Vielleicht würde man in einer ehrlichen Debatte auch zu dem Schluss kommen, dass der eine oder andere Ansatz nicht funktioniert oder gescheitert ist. Aber es ist doch viel flauschiger, wenn wir diese Auseinandersetzung meiden und jeder für sich die Deutungshoheit über „piratige Begriffe“ beanspruchen kann und er anderen nach belieben den Status „ist Pirat“ zu- oder aberkennen kann, ganz wie es grade in die Agenda passt.
Wessen Schuld ist es, dass wir unsere Probleme von Selbstverständnis, innerparteilicher Willensbildung,  Struktur oder der Fähigkeit als Organisation Fehler aufzuarbeiten und aus ihnen zu lernen nicht angehen oder nicht gelöst haben? Müssen wir dafür tatsächlich unsere Vorstände immer wieder aufs Neue rituell opfern und sie dazu zwingen Verantwortung für Dinge zu übernehmen die wir als Partei gesamtschuldnerisch seit Jahren verkacken? Da sind euch Hierarchien dann wieder recht, wenn ihr einen Sündenbock braucht?
 
Wenn es mir zum Beispiel so wichtig ist, dass wir eine Online-Beteiligung haben, dann kremple ich mir verdammt nochmal die Ärmel hoch und tu etwas dafür. Und zwar nicht, in dem ich geifernd am Saalmikro stehe und mein Geburtsrecht auf Teilhabe einfordere, sondern in dem ich mich mit dem Problem beschäftige und aktiv Lösungen suche und anbiete.
DAS ist für mich der Kern des piratigen Mandats und die Seele der Idee des Pirat-Seins.
Ich bin unzufrieden? Ich möchte etwas ändern? Dann bewege ich meinen Hintern von der Couch und gehe die Dinge sinnvoll und systematisch an.
DAS ist (für mich) die Bedeutung von Mitmachpartei.
Mitmachen dürfen bedeutet die Verantwortung zu haben dieses Recht und das Privileg mit Leben zu füllen. In dem ich mich sinnvoll einbringe und nicht nur einfordere weil ich es kann und gerne meine Meinung zu allem sage oder mich und mein Ego gerne zum selbsternannten Dorfgruppensprecher der Piratenpartei Deutschland erhebe.
Partizipation ist nicht nur ein Recht sondern auch eine Pflicht. Deswegen fordern wir auch ständig jeden auf zur Wahl zu gehen. Weil Rechte auch immer mit Pflichten einher gehen.
Natürlich muss die Partei/der Vorstand etc. die konstruktiv beitragenden Engagierten auch erkennen, mitmachen lassen und gute und konstruktive Arbeit fördern. Das ist die zweite Säule der Mitmachpartei.
 
So. Und weil auch ICH gemeckert habe über die schlechte Organisation der Aussprache und mir generell die Art und Weise wie wir Vorstände wählen schon lange auf den Zeiger geht mache ich jetzt das mit dem piratigen Mandat und biete dem Vorstand meine Hilfe an. Der Piratenschlumpf und Ich erklären uns hiermit bereit, uns um ein frisches Konzept für die kommenden Vorstandswahlen zu kümmern und die entsprechende Orga zu übernehmen. Wird vielleicht nicht jedem gefallen weil wir dabei auch ein paar Zöpfe abschneiden werden, die der eine oder andere vielleicht lieb gewonnen hat. Aber Veränderung geht nicht wenn alles so bleiben soll wie es ist. 
 
Lieber Vorstand, jetzt müsst IHR zeigen, dass ihr Entscheidungen treffen und Hilfe annehmen könnt und Mut habt eingefahrene Bahnen auch mal in Frage zu stellen.
Und du liebe Basis, Du musst zeigen, dass du auch was ändern willst. Ich hoffe ihr rennt dem Vorstand jetzt die Bude ein mit konkreten Hilfsangeboten, zum Beispiel für die AG Technik, einem AKO-Team, einer Programmkommission, einem Vernetzungskonzept oder was auch immer ihr haben wollt.
 
Unser Antrag ist jedenfalls raus.