Warum Alternativen eben keine sind

Nächsten Sonntag ist also Bundestagswahl und die AfD wird in aller völkischen Pracht Ihren Einzug ins deutsche Parlament feiern.
Das ist ja schon schlimm genug.
Aber die Massenpanik, die zur Zeit angesichts der blauen Pest um sich greift ist mir zuwider.
Mir wird gesagt, ich dürfe auf keinen Fall eine kleine Partei wählen, weil das ja die großen Parteien schwächt und der AfD mehr Sitze bringt.

Ich soll also SPD & CDU wählen, damit ich die AfD nicht noch stärker mache? Das Kartell, dass mit Agenda 2010 und der Unfähigkeit zukunftsfähige Politik zu machen all die Leute abgehängt hat, die jetzt den sogenannten Denkzettel verteilen? 

Ich soll diejenigen wählen, die aus Angst vor der AfD allesamt selbst nach Rechts driften um so viele Stimmen wie möglich abzufischen, weil im Zweifelsfall JEDES Mittel zum Machterhalt recht ist? Zum Glück gibt es noch Leute mit Verstand  da draußen, die euch Schaubilder malen oder journalistisch mal richtig geil abliefern!
Mir wird gesagt, ich solle aufhören meine Zeit und Energie in das tote Pferd „PIRATEN“ zu stecken und mich besser bei rotgrüngelbschwarz engagieren, so wie andere Ex-Piraten auch.

Okay. Meinetwegen sind die Reste der PIRATEN ein Haufen Dilettanten, die weder kampagnenfähig noch in der Lage sind strategisch und zielorientiert zu arbeiten. Wir haben die Strukturprobleme des großen Wachstums immer noch nicht überwunden, es fehlt an Geld und vielleicht ist unser Programm auch nicht mehr so innovativ wie es vor 5 Jahren war.

Wo ist denn bitte eure Alternative zu der ich gehen kann?
Eine Partei, bei der ich etwas bewegen kann und nicht in nem schäbbigen Kreisverband Plakate kleben darf, zwischen alten Männern, die sich für lau beim Schützenfest besaufen und Jugendorganisationen denen die Jugend ausgeht?
Zu den LINKEN, die selbst so einfallslos und verzweifelt sind, dass sie neuerdings Stolz mit den schlimmsten abgehalfterten Ex-Piraten für Fotos posieren und jetzt auch irgendwas mit Internet macht, während Sahra am rechten Rand fischen geht?
Soll ich zu den Grünen, deren großer Netzpolitiker Notz nur deshalb glänzen kann, weil wir PIRATEN die Netzpolitik salonfähig gemacht haben? Die Partei die ständig für die Legalisierung von Cannabis und gegen Braunkohle ist, aber in jedem Parlament, in dem sie die Gelegenheit bekommt entsprechend abzustimmen gegen ihre eigenen Forderungen stimmt?
Zur FDP, der großen neuen Digitalpartei, die unter dem Claim „Neu denken“ erklärt, dass Glasfaser besser ist als Kupfer und Europa Reformen braucht? Deren Spitzenkraft ausgelaugten Pflegekräften erstmal erklärt, dass sie nicht effizient genug arbeiten?
Zu CDU und SPD, die dafür gesorgt haben, dass vor allem Menschen im Osten sich abgehängt fühlen, sich beharrlich weigern eine Lösung für das zukünftige Rentensystem zu finden, Deutschland zum digitalen Entwicklungsland verkommen lassen und so ziemlich jedes wichtige Thema das angegangen werden muss verkacken? Die verstrickt sind in unaufgeklärte Parteispendenaffären, Diesel-Skandale gefakete Doktor-Titel & Uniabschlüsse? Parteien, die sich nur deshalb mit solchen Wahlergebnissen halten können weil sie sich von kommunaler Ebene aufwärts mit Vorstandsämtern, Verwaltungsposten und Aufsichtsräten in diesem System festgesetzt haben und auf mannigfaltigen Wegen an den Steuergeldern zur eigenen Finanzierung saugen wie an den Zitzen einer Sau? 
Nein danke!
So lange ihr mir keine Alternative zeigt werde ich halt weiterhin bei meiner 1% Partei bleiben.
Aber wisst ihr was? Wenn mich die nächsten Generationen fragen, was ICH eigentlich gemacht habe als die Nazis wieder ins Parlament kamen kann ich voller Stolz behaupten, dass ich Mitglied war in einer kleinen Partei, die versucht hat dieser Gesellschaft eine zukunftsfähige Alternative zu bieten, die nicht auf  Hass, Neid, Verboten oder Sündenböcken mit anderer Hautfarbe basiert.
Wir sind nur eine kleine Partei.
 Leider haben wir keine Politprofis wie Gabriel, Seehofer, Maas, Roth oder Oettinger, nur normale Menschen.
 
Wir haben nur wenig Geld, quasi keine Firmenspenden und hatten auch noch nie einen ernsthaften Lobbyistenbesuch beim Vorstand.
 
Obwohl wir kein Programm haben und für nichts stehen hat unser Programm 120 Seiten. Es ist innovativ, konstruktiv, smart und sozial gerecht und teilweise so zukunftsorientiert dass die anderen Parteien es nicht verstehen.
 
Dafür, dass wir T-Shirts mit politischen Statements tragen oder Bullshit beim Namen nennen haben wir uns oft und regelmäßig  von der Landtagspräsidentin rügen lassen.
 
Im Landtag NRW haben wir übrigens als kleinste Fraktion 2 Anträge durchbekommen. Das sind 2 mehr als die CDU. Trotzdem werden wir regelmäßig gefragt, ob wir überhaupt was gemacht haben. 
 
Auf kommunaler Ebene werden wir manchmal sogar von anderen Parteien gelobt.
 
Überflüssiges Geld für Fraktionen & Fraktionszulagen zahlen wir regelmäßig an die Verwaltungen zurück anstatt uns am Jahresende Häppchen zu gönnen, weil wir verantwortungsvoll mit dem Steuergeld der Bürger umgehen wollen.
 
Wenn es an Freiheitsrechte und Demokratie geht ziehen wir vors Bundesverfassungsgericht – und bekommen meistens Recht.
 
Wir legen uns auch mit der Verlegerschaft oder der GEMA an weil wir das Leistungsschutzgesetz für Blödsinn und die Künstler für unfair behandelt halten.
 
Nach Podiumsdiskussionen klettern unsere Zustimmungswerte regelmäßig, teilweise auf über 20%.
 
Beim Wahl-o-Mat sind die Menschen oft überrascht, dass sie viele Übereinstimmungen mit uns haben.
 
Trotzdem wählen viele Piraten nicht, weil sie glauben ihre Stimme wäre verschenkt. 
Wenn uns alle wählen würden, die glauben ihre Stimme wäre verschenkt würden wir locker 10% bekommen.

3 Gedanken zu „Warum Alternativen eben keine sind

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