Archiv für den Monat: Februar 2019

Quote – Die eierlegende Wollmilchsau

Zur Zeit wird ja – Dank Brandenburg – wieder fleißig über Quoten debattiert. Okay. Ich will an dieser Stelle nun gar nicht auf die ganzen Pros & Cons eingehen – davon haben wir auf Twitter ja alle schon genug.  Ich selber bin kein Fan von Quoten, unter anderem weil ich nicht glaube, dass die große Veränderung bringen.

Ran an die Zahlen

Um meinen eigenen Standpunkt zu überprüfen (vielleicht liege ich ja falsch?) habe ich mir mal die Mühe gemacht und das ganze Quotengedöns am Beispiel des aktuellen Bundestags durchgerechnet. Der Bundeswahlleiter bietet da ne praktische CSV zum Download an. Ein bisschen ZÄHLENWNNS drüber gelegt und schon haben wir höchst interessante Zahlen!

Aktueller Stand

Die aktuelle Zusammensetzung nach Geschlecht und Partei findet man auf der Webseite des Deutschen Bundestages:

Das Verhältnis 219 : 490 ist in der Tat nicht wirklich befriedigend.

Um herauszufinden, wie sich eine Quote bei der Besetzung der Listenkandidaten bei der letzten Bundestagswahl ausgewirkt hätte müssen wir erstmal filtern, wie viele Frauen und Männer per Direktmandat (Erststimme) und über die jeweiligen Landeslisten (Zweitstimmen) gewählt wurden:

Auf den ersten Blick für mich interessant ist die Tatsache, dass bei 3 Parteien – SPD, Grüne, Linke – die Frauenquote bei den Zweitstimmen-Mandaten über 50% lag. Bei einer  paritätischen Besetzung der Wahllisten wären bei diesen Parteien also sogar WENIGER Frauen gewählt worden.

Wenn wir jetzt die Zahlen gemäß der Parität anpassen sieht die Tabelle wie folgt aus:

(Bei ungeraden Mandaten habe ich den überzähligen Platz zugunsten der Frauen vergeben.) Insgesamt wären nun also 52 Frauen mehr im Parlament. Diese würden sich allesamt aus den Parteien AfD (36), FDP (22) und CDU (3) rekrutieren. SPD, Grüne und Linke würden weniger Frauen, dafür mehr Männer ins Parlament schicken.

Auswirkung der Quote

Da die Direktmandate von einer paitätischen Listenbesetzung gar nicht betroffen wären, gäbe es dort keine Änderung der Zahlen. Die jeweiligen Endergebnisse im Vergleich sehen wie folgt aus:

Eine paritätische Listenbesetzung hätte also bei der letzten Bundestagswahl die Frauenquote um sage und schreibe 7,33% gesteigert und lediglich die Anzahl der Frauen aus dem rechts-konservativen, bzw. dem wirtschaftsliberalen Milieu vergrößert, wohingegen die Anzahle der eher linksorientierten Frauen abgenommen hätte.

Persönliches Fazit

Ich hab nix für Quoten übrig. Aus einer Vielzahl von Gründen. Gegen das Paritätsgesetz zu klagen ist aber imho auch eine der dümmsten politischen Signale, die man als eher links-orientierte Partei setzen kann.

Wegen 7% mehr sehe ich es jedenfalls als verschwendete Lebenszeit darüber verbitterte Debatten zu führen. Wenn du für Quoten bist: Mach halt, bringt eh kaum was. Wenn du gegen Quoten bist: Lass sieh halt machen, bringt eh kaum was. Oder ihr investiert eure Energie allesamt in Überlegungen, wie man die Zusammensetzung von Parlamenten wirklich sinnvoll und effektiv gestaltet. Nicht nur in Bezug auf Frauen sondern auf alle Geschlechter, Berufsgruppen und sozialen Milieus.